IW Club Luzern-Sursee: Von Ouagadougou nach Port-au-Prince

Montag, 15. Oktober 2018
Michael und Romy WilliMichael und Romy Willi

Partneranlass

In froher Erwartung treffen wir Innerwheeler Frauen mit unseren Partnern im Varathans Sursee ein und freuen uns auf den Vortrag von Dr. Michael Willi, Zahnarzt und Partner unserer aktuellen Präsidentin Romy. Es wird bunt miteinander geplaudert, unsere Gaste begrüsst, darunter auch ein Schnuppergast aus Sursee, Frau Petra Becker, Nachbarin von Lydia Müller. Auch zwei Töchter von Mitgliedern sind mit dabei, Nina Wyder, ehemalige Lehrtochter von Zahnarzt Willi, und Rebecca Willi, Tochter unserer Protagonisten.

Gemeinsam heben wir ab nach Afrika und lassen uns von unserem Piloten Dr. Willi entführen in andere, faszinierende Landstriche unserer Welt. Wir erleben grosse Armut, hilfsbedürftige Menschen, kriegsgeschädigte Gebiete auf der einen Seite, und unglaublich fähige, kompetente, einheimische Fachkräfte, die sich mit aller Kraft und Leidenschaft für ihre Mitmenschen einsetzen.

Aber für alle, die nicht auf diese Reise mitkommen konnten, muss ich Dr. Michael Willi noch etwas vorstellen. Der Emmer Zahnarzt ist seit 30 Jahren in eigener Praxis tätig und setzt sich mit seinem ganzen Wissen und Erfahrungsschatz als Präsident der Schweizerischen Stiftung "Secours Dentaire International" (SDI) unglaublich engagiert für den Aufbau von Dentalkliniken in Afrika ein. Die erste Klinik wurde am Albert Schweizer Spital in Lambarene eingerichtet. Zurzeit betreut Die Organisation aktiv in 13 afrikanischen Ländern Projekte von Dentalkliniken, in 8 Ländern nur passiv, und plant weitere 3 Projekte.

Bereits nach dem Studium 1986 zog es Michael ins Ausland, an das Albert Schweizer Spital nach Gabun. Dabei begleitete ihn die Frau seines Herzens, Romy. Diese lernte zudem noch den Beruf der Dentalassistentin, damit sie ihren Herzensmann auch gebührend unterstützen konnte. Beeindruckend wie Michaels Visionen bald schon zum Familienprojekt wurden und selbst den Kindern die Chance öffneten über gemeinsame Projektbesuche den Blick auf das Leben zu verändern.

SDI setzte sich zum Ziel, die gebauten Kliniken so bald wie möglich einheimischen, geschulten Fachkräften zu übergeben, sodass sich die europäischen Ärzte wieder zurückziehen konnten. Einige Projekte wie zum Beispiel jenes in Kingshasa (Kongo) mit Dr. Kasuku, konnten sogar zur finanziellen Unabhängigkeit von SDI geführt werden. Trotz allem aber bleiben die Betreuung und der Besuch der aufgebauten Wirkungsstätten ein wichtiger Bereich der Schweizerischen Stiftung.

Die Probleme der afrikanischen Kliniken sind vielfaltig und unterscheiden sich wesentlich von denen in Europa. Elektrizität, die unzuverlässigfunktioniert, kaum fliessendens und sauberes Wasser, Hitze, Staub und Insekten, schlecht ausgebildetes Hilfspersonal, politische Zufallsentscheide oder gar kriegerische Auseinandersetzungen - urn nur einige zu nennen. Umso erstaunlicher mit welch langem Atem und grosser Hartnäckigkeit Michael seine Projekte betreut und weiterverfolgt.

Beeindruckend auch ein weiteres Projekt in Mukono (Uganda), wo man nach dem Bau eines grossen Wassertanks und mehrerer Wartezimmer für die riessigen Mengen an Patienten Dampfkochtöpfe zur Sterilisation der Instrumente zur Verfügung stellte. Eine einzige Angestellte wurde dazu befähigt, die sterilisierten Instrumente herauszugeben, sodass ein sauberes und sicheres Vorgehen garantiert wurde. Auch hier waren Kreativität und Umgang mit den Gegebenheiten gefragt. Dies auch in Ouagadougou, wo der Krankenpfleger Jacques infolge Mangels an Fachkräften zu einem tüchtigen Zahnarzt umgeschult wurde. Leider sorgten eifersüchtige Kollegen dafür, dass man ihm die Bewilligung wegen des fehlenden Universitätsdiploms wieder entzog.

Schlussendlich durften wir mit Romy und Michael noch nach Port au Prince (Haiti) reisen. Wegen eines Erdbebens 2012 wurde die dortige Klinik vollkommen zerstört, 2013 wieder aufgebaut und im Frühjahr dieses Jahres von Willis besucht. Sie fanden ein frisch gestrichenes, sauberes Gebäude vor, eine Klinik, die selbsttragend funktionierte und mit Hilfe von fähigem Personal inmitten einer zerstörten Stadt eine wunderbare Oase darstellte. Da musste einfach ein Fest gefeiert werden! Und Michael pflanzte sogar einen Baum der Hoffnung! Möge dieser Euch beide noch weiter begleiten in Eurem engagierten Wirken zugunsten der afrikanischen Bevölkerung und Euch Kraft, Mut und Durchhaltevermögen schenken. Wir sagen von ganzem Herzen DANKE!!!

Bericht: Dorothea Frisch Egli, IW Club Luzern-Sursee